Im ersten Teil hatte ich die Aufgabenkreise Angesprochen und angemerkt das es noch mehr Aufgabenkreise gibt
- die Bestimmung des Umgangs des Betreuten
- die Entscheidung über die Telekommunikation des Betreuten einschließlich seiner
elektronischen Kommunikation - die Entscheidung über die Entgegennahme, das Öffnen und das Anhalten der Post des Betreuten.
Wie man sich denken kann, kann es hier zu Schwierigkeiten kommen, stell dir vor du beantragst etwas bei einer Behörde für deinen Vater und du darfst die Post nicht öffnen, daher schicken Behörden und Sozialversicherungen in der Regel alles zweimal, einmal an dich und einmal an dein Mündel (ein alter Begriff den ich gerne Verwende weil es kürzer ist als zu betreuende Person oder der Betreute)
Tatsächlich kontrolliert das erfahrungsgemäß keiner ob du diese Rechte hast, gleichzeitig gibt es aber auch die Rechtslehre die besagt du darfst das insofern es für einen der anderen Aufgabenkreise notwendig ist
Anders ausgedrückt wenn du z.B. Hartz 4 für ihn beantragst und das JobCenter an seine Adresse einen Brief schickt und du kannst am Absender erkennen das es sich um einen Brief vom JobCenter handelt dann darfst du ihn nach meinem Verständnis öffnen
So schätze ich das zumindest ein, wie gesagt ich bin kein Anwalt ich bin Pragmatiker und das ist meine persönliche Meinung keine Rechtsberatung
Hinzukommt da es sich ja um meinen Vater handelt spreche ich seit er nicht mehr im Koma liegt alles mit ihm ab, daher habe ich wenn man so will eine mündliche Vollmacht und ich denke er ist mit meinen Entscheidungen zu frieden
So nach dem der Derfschein(der mir sogt wos i derf — ein bayrischer Witz) geklärt ist, kommen wir zu den Pflichten
Nachtrag: In der Regel bleibt die Betreute Person vollgeschäftsfähig, sofern dies nicht explizit vom Betreuungsgericht im Beschluss über die Betreuung und/oder im Betreuungsausweis aberkannt wurde
Weil ich gerade so ein Thema in einer Diskussion hatte, der Aufgabenkreis „die Entscheidung über die Entgegennahme, das Öffnen und das Anhalten der Post des Betreuten.“ umfasst Grundsätzlich auch wo die Post hin gesendet wird z.B. Nachsendeantrag, Obdachlosenheim, Postfach
Die Pflichten
Grundsätzlich musst du als Betreuer immer im Interesse des Betreuten handeln, das kann auch manchmal gegen seinen Willen bedeuten, bei starken Meinungsverschiedenheiten kann hier allerdings der Betreute klagen oder einen anderen Betreuer beantragen
Ich selbst hatte sowas zwar nicht, aber stellen wir uns mal vor du Betreust einen Spielsüchtigen und du hast das Aufenthaltsbestimmungsrecht, dann kannst du natürlich deinem Mündel verbieten in die Spielothek zu gehen, das Problem hierbei ist die Durchsetzbarkeit, sicherlich könntest du den Betreuten ähnlich wie bei einem Kind von der Polizei abholen lassen oder selbst zur Spielothek fahren aber sofern der Betreute sich nicht in einer geschlossenen Einrichtung aufhält wird es dir kaum gelingen das Verbot dauerhaft durchzusetzen, besser du redest mit den Spielotheken in der Umgebung so das diese ihm Hausverbot erteilen man kann sich auch mal OASIS ansehen
Deine wichtigste regelmäßige Pflicht ist die Rechenschaftsablegung/der Bericht ans zuständige Betreuungsgericht, hierbei werden Fragen zur finanziellen Situation, der Wohnsituation, der Pflege und der Entwicklung der Person gestellt, ich persönlich schreibe dazu dann meist noch einen kurzen Brief der die Punkte näher ausführt um so keine Fragen offen zu lassen
Und damit fängt dann der Papierkram an, ich sitze also in Kaiserslautern zum Glück war ich gerade Arbeitslos und konnte mir so die nötige Zeit nehmen
In dreisig Jahren hatte er nicht einen Zettel in Ordnern abgeheftet, sondern ein System gefahren bei dem in der ganzen Wohnung immer wieder Haufen mit Unterlagen verteilt waren und jetzt sollst du da Ordnung rein bringen und durchblicken, um so besser wirds wenn du dann einen Umzugskarton voller leerer Ordner findest, die ihm ein Freund der Familie aus einer Geschäftsauflösung überlassen hat
Kurz darauf trudelt dann ein Brief vom JobCenter ein, das die Hartz 4 Weiterbewilligung beantragt werden muss, scheinbar muss man das regelmäßig und natürlich hat man von dem ganzen Wust keine Ahnung
Ich hab also alle Haufen zusammen gesucht und versucht erstmal nach Themen gebieten zu sortieren, irgendwann Telefonierte ich mit meiner Mutter, die beiden sind seit ich glaube 2001 geschieden sie bot daraufhin an für ein paar Tage nach Kaiserslautern zu kommen um mir beim Sortieren dieses Mists zu helfen
Parallel dazu schrieb ich einen Brief an das JobCenter das ich seine Vollständigen unterlagen haben möchte, da ich keine Ahnung habe was ich in diesen Antrag eintragen soll, die Antwort kam schnell und war sehr unhilfreich, sie bestand aus dem letzten Bewilligungsbescheid und dem Hinweis das die das nicht machen, scheinbar gilt hier nicht die DSGVO sondern ein eigenes Gesetz
Nach etwa einer Woche unterlagen sortieren, zu erst nach Thema, dann nach Datum und abheften in Ordnern, konnte ich dann den Antrag ausfüllen und den ersten Bericht an das Amtsgericht schicken
Erkenntnis
Er hat einen fast sechsstelligen Betrag an Schulden, Großteils aus seiner Zeit als selbständiger und einer alten Mietsache in beiden Fällen fühlte er sich ungerecht behandelt und weigerte sich eine Lösung dafür zu finden
Wie es im Krankenhaus weiterging
Gehen wir weiter in unserer Geschichte, ich hatte dann alles mit dem Arzt geklärt, er bekam eine Tracheotomie (chirurgischer Eingriff, bei dem ein Zugang zur Luftröhre geschaffen wird), MRT wurde dann doch keines gemacht wegen seines seit 2017 implantierten Defibrillators, ich kam täglich vorbei und las ihm aus der Edda vor, endlich hatte ich mal einen Grund diese Buch zu lesen
Da er nach etwa zwei Wochen aus dem Koma erwacht ist sollte er nun vom Westpfalz Klinikum in Kaiserslautern zum Westpfalz Klinikum in Kusel verlegt werden, da diese eine Frührehastation in Fachkreisen Phase B genannt haben
Und damit fing der Krankenhaus Alptraum an